Polizeiliche Vernehmungen

Wenn es nachts um elf plötzlich rüde gegen die Tür hämmert, sind das im allgemeinen nicht wohlgelaunte Freunde mit einem Sechserpack Bier. Schon gar nicht, wenn man vormittags in der Bank um die Ecke seine neue Maschinenpistole vorgeführt hat.
Aber auch wir harmlosen Falschparker müssen uns manchmal mit unseren Freunden von der Polizei herumschlagen. Wenn Sie sich an die nachfolgenden Regeln halten, kommen Sie vielleicht um den einen oder anderen Knastaufenthalt herum.

1. Vor der Vernehmung

Polizisten sind auch nur Menschen. Mit all den kleinen Fehlern und Ängsten, die auch uns Normalbürger plagen.Wenn Sie also Wachtmeister Weber den Gartenweg in Richtung Haustür entlangschlurfen sehen, sperren Sie erstmal den Hund weg. Polizisten sind im Gegensatz zu Briefträgern oder Milchmännern meist nicht an Hundebisse gewöhnt und machen unnötigen Lärm.
Hat der Hund ihn doch erwischt, nehmen Sie den guten Mann am besten mit in einen leicht zu reinigenden Raum, z. B. den Hausflur oder die Waschküche. Sie sind nicht verpflichtet, leckende Polizisten auf Ihre Sitzgruppe zu lassen.
Kommt der Polizist ungelegen, weil Sie z. B. gerade ins Kino gehen wollten, versuchen Sie ihn auf einen späteren Termin zu vertrösten oder nehmen Sie ihn einfach mit. Bei Familienfeiern oder Elternabenden in der Schule hat ein Ermittler der Kripo allerdings einen eher schädlichen Nebeneffekt.

2. Beginn der Vernehmung

Gleich zu Beginn des Gesprächs sollten Sie einen kleinen Intelligenztest machen, das hat sich insbesondere bei Vernehmungen als Beschuldigter bewährt.
Fangen Sie mit leichten Fragen an, z. B. nach dem Vornamen. Gehen Sie dann zum kleinen Einmaleins über, aber vergessen Sie nicht, sich die richtigen Antworten vorher zu notieren. Will er die Finger zu Hilfe nehmen, unterbinden Sie das, ein Taschenrechner ist natürlich erst recht nicht erlaubt.
Sollte der Beamte den Test nicht bestehen, glaubt er Ihnen vielleicht Ihre dürftige Geschichte von der Schwiegermutter, die sich beim Zähneputzen das Genick gebrochen hat. Ansonsten ist Vorsicht geboten.

3. Erlaubte Tricks

Bieten Sie dem Polizisten ein gutes Gläschen Wein oder auch was Stärkeres an. Ein angeheiterter Ermittler geht gleich viel nachsichtiger zu Werke. Ganz abgesehen von der Wirksamkeit einer kleinen Erpressung, wenn der gute Mann nach dem Verhör sturzbetrunken in den Dienstwagen kriecht.
Um dies hinterher beim Richter auch belegen zu können, sollten Sie den Beamten in sein eigenes Röhrchen blasen lassen, sofern er eins dabei hat. Wenn nicht, nehmen Sie kurzerhand eine Blutprobe. Das geht ganz gut, wenn Ihre Frau ihn festhält. Notfalls trainieren Sie das vorher mit Opa.

4. Vernehmungspausen

Zieht sich die Vernehmung länger hin, geben Sie dem Polizisten die Möglichkeit, in Ruhe sein Pausenbrot zu essen. Lassen Sie ihn nicht ins Esszimmer. Es macht einen schlechten Eindruck, wenn Sie sich mit Lachshäppchen und Kaviar voll stopfen, während er an Mutterns Butterstulle würgt.
Stellen Sie ihm also lieber einen Stuhl ins Badezimmer, das ist hinterher leicht zu reinigen. Lassen Sie aber etwas kaltes Wasser ein, damit er sich nicht in die Wanne packt und schläft, sonst werden sie den Kerl ja nie mehr los.

5. Bohrende Fragen

Seien Sie bei der Vernehmung wachsam. Fangfragen hat das Bundesverfassungsgericht verboten. Wenn der Kommissar also Dinge wissen will, wie etwa "Schlagen Sie Ihre Frau eigentlich immer noch?" oder "Haben Sie immer noch Hämorrhoiden?", brauchen Sie nicht darauf zu antworten.
Sorgen Sie dafür, daß Ihre Frau es auch nicht tut.

6. Polizistinnen

Weibliche Ermittlungsbeamte bringen häufig zur Verstärkung einen Kollegen mit, manche auch nur Ihren Freund. Lassen Sie sich grundsätzlich immer die Dienstausweise zeigen. Wenn der Kollege irgendwas wie "den hat die Katze gefressen" murmelt, ist er nur der Freund und darf beim Verhör nicht zuhören. Sie können verlangen, daß er sich die ganze Zeit die Ohren zuhält und leise singt. Evtl. können sie den Kerl auch während der Vernehmung mit leichter Hausarbeit beschäftigen.
Machen Sie keine anzüglichen Bemerkungen und verkneifen Sie sich unbedingt Blondinenwitze, Brünette oder Schwarzhaarige könnten gefärbt sein.
Wie alle Frauen achten Polizistinnen sehr auf die äußere Erscheinung. Suchen Sie also rechtzeitig Rasierzeug, Seife und dergleichen zusammen, und versuchen Sie evtl. noch ein sauberes Hemd von der Wäscheleine Ihrer Nachbarin zu organisieren.

7. Problemlösungen

Streiten Sie sich nicht während der Vernehmung. Sollten bei der Befragung zur Person zwischen Ihnen und Ihrer Frau Meinungsverschiedenheiten auftreten, z.B. die Anzahl von Kindern, Liebhabern etc. betreffend, dann schalten sie dem Beamten den Fernseher ein, damit er sich nicht langweilt, während Sie im Nebenraum in aller Ruhe diskutieren. Drehen Sie notfalls den Ton etwas lauter.
Die Küche ist in jedem Fall ungeeignet, weil sich Frauen im Zorn gern am Geschirr vergreifen. Auch sollten Sie in diesem Moment auf körperliche Züchtigungen verzichten, es sei denn, Ihnen fällt spontan eine glaubwürdige Erklärung für das plötzliche "Veilchen" Ihrer Frau ein.
Denken Sie daran, dass Kinder häufig leichtfertig im völlig unpassenden Moment die Wahrheit ausplaudern. Wenn Sie also welche haben - fesseln, knebeln und ab auf den Speicher - das sollten Sie übrigens generell tun, wenn Besuch kommt.

8. Ende der Vernehmung

Die Vernehmung ist beendet, wenn dem Ermittlungsbeamten keine Fragen mehr einfallen, oder er - alkoholbedingt - nicht mehr in der Lage ist, sie verständlich zu formulieren, wenn er nicht mehr aufrecht am Tisch sitzen kann oder auf Zuruf nicht mehr reagiert.
Eine gute Vernehmung dauert im allgemeinen nicht länger als zwei bis drei Stunden. Ist der Kripobeamte zur Schlafenszeit noch immer nicht gegangen, liegt der Verdacht nahe, dass er sich bei Ihnen wohl zu fühlen beginnt. Übernachtungen sind unüblich, aber nicht verboten.
Wenn der Ermittler allerdings nach Ablauf einer Woche immer noch bei Ihnen wohnt, dürfen Sie Miete verlangen. Allzu anhängliche Polizisten werden Sie ohne Grobheiten wieder los, indem Sie immer fleißig nachgießen und die Toilette verschlossen halten.

9. Falsche Polizisten

Ermittlungsbeamte, die Sie nachts in Ihrer Wohnung ohne Dienstausweis und mit Ihrem Tafelsilber erwischen, sind zu keinem Verhör berechtigt. Gleiches gilt für leichtgeschürzte Kommissare im Schrank Ihrer Frau. In den beiden genannten Fällen können Sie darauf bestehen, dass diese Leute am nächsten Tag in ordnungsgemäßer Kleidung und mit Dienstausweis noch einmal antraben.

10. Abschied

Trinkgelder sind bei manchen Polizisten zwar sehr beliebt, aber ganz eindeutig verboten. Achten Sie also darauf, dass Ihre Hand beim Händeschütteln zum Abschied leer ist. Evtl. können Sie sich auch drücken, indem Sie ihm die Hand verweigern und etwas murmeln wie "gerade in der Nase gebohrt". Falls er Sie offen um ein wenig Schmiergeld anhaut, womöglich irgendwas von der stockblinden Oma tuschelt, der nur noch eine Operation in Amerika helfen kann, kontern Sie nicht, dass sich Schmiergeld nur vom Staatsanwalt an aufwärts lohnt (auch wenn es stimmt). Nein, schluchzen Sie los, und erzählen von Ihrer armen Tante, die durch einen Fehler des plastischen Chirurgen beim Liften erstickte. 

Ich weiß nicht mal mehr, wo ichs herhab, aber Leute, bitte nehmt's net allzu Ernst! :D

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